Archiv für Mai 2011

Info- und Mobilisierungsveranstaltung:

„Den Burschentag in Eisenach zum Desaster machen!“

17. Mai 2011 | 20:00 Uhr | MZG 1.140 (1. Stock im „Blauen Turm“ an der Universität Göttingen)

Jedes Jahr eine Woche nach Pfingsten treffen sich in Eisenach die aktiven Mitglieder und „Alten Herren“ der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) zu ihrem sogenannten „Burschentag“. Auch aus Göttingen werden zwei Delegationen erwartet. So werden einmal die Burschenschaft Holzminda und einmal die Burschenschaft Hannovera auf das wichtigste politische Entscheidungsgremium dieses Dachverbandes vertreten sein.

Als reine männerbündische Organisationen verdrängen sie Frauen aus der politischen Entscheidungsfindung. Ihre Ideologie ist laut eigener Aussage „auf das Männliche ausgerichtet“ und schon seit ihren Gründungszeiten traten die Burschenschaften durch aggressiven Antifeminismus in den Vordergrund. Frauen werden von ihnen nach traditioneller Rollenverteilung auf den privaten Raum reduziert.

Gemeinsam werden die Männer in einer klaren Hierarchie dazu gebracht kollektiv über die eigenen Grenzen hinweg zu saufen. Zu später Stunde werden gerne auch mal alle Strophen des „Deutschlandliedes“ gesungen. Doch der Nationalismus hört nicht beim Gröhlen völkischen Liedguts auf. Beim letzten „Burschentag“ im Jahr 2010 wurden in einer öffentlichen Festrede die Grenzen der BRD in Frage gestellt und erklärt, es habe „keine freiwillige Abtretung der Ostgebiete gegeben“ und die „Nationale Fragestellung“ sei noch nicht „abschließend geklärt“.

Dies sind nur aktuelle Beispiele einer langen Tradition inhaltlicher und organisatorischer Nähe der DB zum organisierten (Neo-)Nazismus. So ist beispielsweise auch Jürgen W. Gansel, sächsischer Landtagsabgeordneter der NPD, Mitglied einer Burschenschaft der DB und auch sonst sind IdeologInnen der faschistischen Rechten als ReferentInnen auf den Häusern der Verbindungen gerne gesehen. In Freikorps organisiert, beteiligten die DB-Burschen sich am „Kapp Putsch“ 1920 und fungierten so unter Anderen als Wegbereiter des Nationalsozialismus. Den Grundstein für diese lange Tradition legten die Burschen beim ersten Wartburgfest in Eisenach 1817. Unter ihrem Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ verbrannten sie beispielsweise das Werk des jüdischen Schriftstellers Saul Ascher unter dem Ruf „Wehe über die Juden“ und das liberal-demokratische Schriftstück „Code Napoléon“. In dieser Tradition, die von den Burschen selbst meist ausgelassen wird, stehen die Burschentage.

Bei dieser Info- und Mobilisierungsveranstaltung wollen wir gemeinsam erfahren, wer sich trifft, was an diesem Jahr in Eisenach passiert, wie wir am besten hinkommen und wie wir uns weiter aktiv an den Protesten gegen den Burschentag beteiligen können.

Eure Basisgruppe Sozialwissenschaften im Mai 2011
http://gegenburschentage.blogsport.de

Kommt zum Prozesstermin am 5. Mai

Pressemitteilung der Basisgruppe Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen

Göttingen, den 02.05.2011

Politische Justiz geht mit unverminderter Härte in die nächste Runde
Die Göttinger Polizei und Staatsanwaltschaft will einen Studenten für angeblich versuchte Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor Gericht sehen – wegen vermeintlichem „Beinstellens“.

Am 10. November letzten Jahres wollte die Burschenschaft Holzminda in der Gaststätte „Schwarzer Bär“ ihr 150 jähriges Bestehen feiern. Da die Veranstaltung öffentlich angekündigt war, versammelten sich rund 30 Antifaschistinnen und Antifaschisten mit Transparenten vor der Gaststätte. Sie riefen Parolen gegen die menschenverachtenden Vorstellungen der in der Deutschen Burschenschaft organisierten Holzminda und zogen als Spontandemonstration weiter.

Doch auch an diesem Abend sollte die Göttinger Polizei mit ihrer harten ‚Law and Order‘-Politik nicht erfolglos aus dem Rennen gehen. Unseres Erachtens willkürlich griff sich ein Polizeibeamter eine Person, die das Geschehen in einigem Abstand beobachtete und warf ihr vor, sie hätte einem Kollegen ein Bein gestellt. Zu allem Überfluss wird ihr nun auch noch vorgeworfen, sie habe sich der Festnahme widersetzt. „Es ist nicht hinnehmbar, das mit derartigen Konstruktionen und Behauptungen Menschen so einfach kriminalisiert werden“, so eine Aktivistin für die Basisgruppe Sozialwissenschaften.

„Schon die breite ‚Initiative für gesellschaftliches Engagement – Gegen Kriminalisierung und politische Justiz‘ hat nachgewiesen, wie der Verfolgungsapparat konkret in Göttingen vorgeht“, so die Aktivistin weiter. In der Broschüre, die von der Kampagne herausgegeben worden war, wurden zahlreiche Fälle aufgedeckt, in denen sich die ErmittlerInnen fadenscheiniger Behauptungen und Konstruktionen bedient haben, um politisch Aktive einzuschüchtern. Die geschilderten Fälle haben vielfach bewiesen, dass die Aussage eines Beamten weitaus schwerer wiegt als die Unschuldsvermutung und mögliche Zeugenaussagen, die der „belastenden“ Aussage eindeutig widersprechen.

„Wir wissen, dass unser Genosse nun das zweite Mal von den OrdnungshüterInnen für etwas belangt werden soll, was er nicht getan hat. Dies ist beim ersten Mal durch einen Freispruch gescheitert und wird auch beim zweiten Mal nicht gelingen.“ so die Aktivistin der Basisgruppe Sozialwissenschaften abschließend.

Der Prozesstermin ist für den 5. Mai 2011, 11.30 Uhr, im Amtsgericht Göttingen angesetzt.