Archiv für Juni 2014

„…daß die offizielle Soziologie versagt hat“ Veranstaltung mit Alexandra Schauer am Di., 24.06.2014

Vom 19. bis 21. September 1946 fand in Frankfurt am Main der erste Nachkriegskongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie mit dem vielversprechenden Thema »Die gegenwärtige Situation soziologisch betrachtet« statt. Statt sich jedoch einer soziologischen Analyse der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen 1933 und 1945 zu widmen, wurde der Nationalsozialismus zu einem »metaphysischen Geheimnis« verklärt, »an das der Soziologe nicht zu rühren vermag« (Leopold von Wiese). Geschwiegen wurde über den Nationalsozialismus nicht nur wissenschaftlich, sondern auch wissenschaftsgeschichtlich. Das Versagen der offiziellen Soziologie angesichts der Krise der Weimarer Republik und des Aufstiegs des Nationalsozialismus wie auch die Rolle der in Deutschland verbliebenen Fachvertreter wurde nicht thematisiert. Stattdessen wurde der erste Nachkriegskongress zur Geburtsstunde des Mythos der Nichtexistenz der Soziologie im Nationalsozialismus, der die disziplinäre Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit über viele Jahrzehnte hinweg bestimmen sollte. Am ersten Nachkriegskongress lässt sich exemplarisch das Scheitern der Soziologie angesichts des Nationalsozialismus aufzeigen: So wenig sie vor 1933 dem Aufstieg des Nationalsozialismus Beachtung geschenkt hatte, so wenig war sie nach 1945 um eine wissenschaftliche oder wissenschaftsgeschichtliche Auseinandersetzung bemüht.
In dem Vortrag soll der Geschichte dieses Scheiterns nachgegangen werden, wobei der Fokus dabei auf der institutionalisierten Soziologie vor, während und nach dem Nationalsozialismus liegen wird.

24.06.2014 18 Uhr
ZHG 102

Eine Veranstaltung der Basisgruppe Sozialwissenschaften in Kooperation
mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V.