Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002: Rainer Eisfeld über „Politikwissenschaft im Nationalsozialismus“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Prof. Dr. Rainer Eisfeld: Montag 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002

„Politikwissenschaft und Nationalsozialismus: Ergebnisse, Maßstäbe, Probleme der Disziplingeschichte, besonders am aktuellen Beispiel der Eschenburg-Debatte“

Der „Gründungsmythos“ (Hubertus Buchstein) der westdeutschen Politologie lautete: Die Deutsche Hochschule für Politik in Berlin, Vorläuferin des heutigen Otto Suhr-Instituts der Freien Universität, war und blieb seit ihrer Errichtung 1920 ein republikanisch-demokratisches Unternehmen. Sie verweigerte sich dem NS-Regime, löste sich 1933 auf, zahlreiche Fachvertreter gingen ins Exil. Als sie nach 1949 zurückkehrten, begründeten sie mit anderen unbelasteten Wissenschaftlern, unterstützt von westlichen Alliierten und deutschen Politikern, jene Disziplin, die als einzige von Anfang auf die wissenschaftliche Fundierung eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland zielte. Aus mehreren Gründen war dies ein attraktives Konzept. Dass in der Disziplin nach 1945, anders als im Hochschulbereich insgesamt, der personelle Bruch gegenüber der Kontinuität überwog, bleibt richtig. Dass es zu einer adäquaten Einschätzung dennoch differenzierterer Sichtweisen als bisher bedarf, die im Fach teilweise auf Widerstand stoßen, belegen die Fälle Arnold Bergstraesser, Michael Freund und aktuell besonders Theodor Eschenburg.