Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Dienstag 02.06.2015 18.15 Uhr ZHG 103: Maja Suderland: „Soziologie und Konzentrationslager“

Aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ Der Basisgruppe Sozialwissenschaften in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V.

Maja Suderland
Dienstag 02.06.2015 | 18.15 Uhr | ZHG 103

Soziologie und Konzentrationslager
Über den Beitrag deutschsprachiger Soziolog_innen zur Analyse der nationalsozialistischen Zwangslager

Bereits unmittelbar nach Ende des „Dritten Reiches“ gerieten die Konzentrationslager ins Zentrum der Aufmerksamkeit einer entsetzten Weltöffentlichkeit. Seither hat das Thema verschiedene Konjunkturen erlebt, aber insgesamt ist das Interesse keineswegs rückläufig. Auch in diesem Jahr, wo man die 70. Jahrestage der Befreiung der Konzentrationslager beging, erfuhren die NS-Zwangslager erneut große Beachtung in sämtlichen Medien.
Man könnte nun annehmen, dass es insbesondere in Deutschland als dem Land der Täter auch in der Soziologie eine zentrale Auseinandersetzung mit diesem Thema gegeben hat und gibt. Zudem erscheint es für die „Wissenschaft von der Gesellschaft“ doch naheliegend, dass sie sich sowohl mit der NS-Gesellschaft befasst, die man ebenso gut als eine „Gesellschaft der Lager“ bezeichnen könnte, als auch mit den sozialen Verhältnissen und Prozessen innerhalb der NS-Zwangslager sowie mit dem gesellschaftlichen Umgang mit den ehemaligen KZ-Häftlingen nach ihrer Befreiung. Die deutsche und deutschsprachige Soziologie hat sich allerdings bislang nur sehr sporadisch mit Konzentrationslagern befasst und es gibt lediglich verstreut und vereinzelt soziologische Studien zum Thema. Darunter befinden sich sogar sehr frühe, schon während der NS-Zeit entstandene und wenig bekannte Arbeiten, aber auch spätere, heute weitgehend unbekannte, ebenso solche, die zwar stark rezipiert, aber nicht „als soziologisch“ gelesen werden.
Wie also beteilig(t)en sich deutschsprachige Soziolog_innen an den Debatten über die Konzentrationslager? Und hat das Thema einen festen Platz in der soziologischen Lehre an den deutschen Universitäten?
Der Vortrag will einen systematischen Überblick über den Beitrag deutschsprachiger Soziolog_innen zur wissenschaftlichen Analyse der mit den NS-Zwangslagern verbundenen Themen geben und den möglichen Erkenntnisgewinn einer „Soziologie der Konzentrationslager“ diskutieren. Dabei soll auch reflektiert werden, welche empirischen Methoden und theoretischen Konzepte zu deren Analyse geeignet erscheinen und inwiefern die Popularität bestimmter Methoden und Theorien möglicherweise dazu beiträgt, dass das Thema aus dem soziologischen Blick gerät.