Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Rolf Pohl über „Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft“ | Dienstag 17.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

Vortrag: Prof. Dr. Rolf Pohl über „Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft“ | Dienstag 17.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft

Ausgehend von der Frage, ob „etwa schlechthin alles, auch der Tod, auch der Terror, auch das Grauen, auch der Genozid dadurch `normalisiert` erscheinen [kann], dass es (…) `normal` funktioniert“ (Jürgen Link), soll der u.a. von Hannah Arendt hervorgehobenen Kluft zwischen der Monströsität der Taten und der „Banalität“ der nationalsozialistischen Täter nachgegangen werden. Das Hauptdefizit der aktuellen NS-Täterforschung besteht in dem weitgehenden Fehlen einer Reflexion der Begriffe „Normalität“ und „Pathologie“. Diese Kritik richtet sich aber nicht nur gegen eine inflationäre Verwendung des Normalitäts-Begriffs, sondern auch gegen die Gefahr eines ungeprüften Festhaltens an Begriffen der Psychopathologie. Mit beiden Zugängen lassen sich aus sozialpsychologischer Sicht die komplexen „Produktionsregeln“ (Peter Brückner) und damit die Logik des NS-Genozids an den Juden (und anderen „Fremvölkischen“) nicht erfassen.

Rolf Pohl ist seit 2001 Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Seine Themenschwerpunkte in Lehre, Forschung und Publikationen sind Männlichkeits- und Geschlechterforschung, Jugendforschung und politische Psychologie. Er arbeitete über psychoanalytische und sozialpsychologische Fragen zu NS-Tätern und ihren Verbrechen.

In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR SoWi).


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