Archiv der Kategorie 'Nationalsozialismus'

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Neue Berichte online

Hiermit stellen wir Euch zwei Berichte aus den vergangenen Jahren, sowie eine Rezension zum Sammelband „Soziologie und Nationalsozialismus“ von Michaela Christ und Maja Suderland zu Verfügung:

  • Vortrag von Alexandra Schauer: „…daß die offizielle Soziologie versagt hat“ am 24.06.2014. Hier findet ihr einen Bericht.
  • Dr. Michaela Christ referierte am 16.01.2018 über „Soziologie und Nationalsozialismus“. Hier findet ihr einen Bericht.
  • 2015 erschien der Sammelband „Soziologie und Nationalsozialismus“ bei Suhrkamp, herausgegeben von Maja Suderland und Michaela Christ. Hier findet ihr eine Rezension.
  • Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Niels Penke über „Modernediagnose oder Apotheose des Faschismus? Ernst Jüngers Arbeiter (1932)“ | Donnerstag 05.07.2018 | 18 Uhr c.t. | ZHG 002

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Niels Penke über „Modernediagnose oder Apotheose des Faschismus? Ernst Jüngers Arbeiter (1932)“ | Donnerstag 05.07.2018 | 18 Uhr c.t. | ZHG 002

    Ernst Jüngers 1932 veröffentlichter Großessay Der Arbeiter ist Moderne-Theorie, Geschichtsphilosophie und Sozialprognose zugleich, in der Ökonomie ebenso eine Rolle spielt wie Metaphysik und Mythos. Jünger verabschiedet die bürgerliche Welt, die er als Nationalrevolutionär in den 20er publizistisch vehement bekämpft hatte, mitsamt ihren Errungenschaften der Aufklärung, der Demokratie und der Vorstellung vom Individuum. An ihre Stelle tritt ein deterministisches Gesellschaftsmodell, das auf die „Fortsetzung des Krieges“ programmiert ist und in dem das „tiefste Glück des Menschen darin besteht, daß er geopfert wird“.
    Bis heute wird nicht nur darüber gestritten, ob Jünger seine Überlegungen in deskriptiver Absicht verfasst hat oder ob sie ein Plädoyer für die neue faschistische Ordnung darstellen, mehr noch erfreuen sie sich ohne jeden Zweifel in der ‚Neuen Rechten’ großer Beliebtheit.
    Der Vortrag möchte den ideengeschichtlichen Hintergrund Ernst Jüngers und des Arbeiters rekonstruieren, Vorschläge zu seiner Bewertung diskutieren, aber auch die Aktualität für heutige antiliberale Polit-Aktivist/innen in den Blick nehmen.

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften.

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Lisa Klingsporn über „Recht und Justiz im Nationalsozialismus – Zur Aktualität Otto Kirchheimers Forschung im Rahmen des Institut für Sozialforschung“ | Dienstag 03.07.2018 | 18 Uhr c.t. | ZHG 104

    [FÄLLT AUS!] Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Lisa Klingsporn über „Recht und Justiz im Nationalsozialismus – Zur Aktualität Otto Kirchheimers Forschung im Rahmen des Institut für Sozialforschung“ | Dienstag 03.07.2018 | 18 Uhr c.t. | ZHG 104

    Otto Kirchheimer (1905 – 1965) wird als Vertreter der „Peripherie“ der Kritischen Theorie im Gegensatz zu Franz L. Neumann, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno oder Max Horkheimer im Studium selten bis gar nicht diskutiert. Dabei lohnt sich ein Blick in seine Schriften. 1942 war er Wortgeber für die zentrale These der sozialen Kompromissstruktur rivalisierender Gruppen in Franz L. Neumanns Behemoth; 1968 leitete sein 1941 gehaltener Vortrag Rechtsordnung im Nationalsozialismus den Sammelband der Zeitschrift „Kritische Justiz“ „Der Unrechts-Staat“ ein und bis heute wird in der Analyse totalitärer Herrschaftssysteme an Kirchheimers Thesen angeknüpft.
    Die ersten Analysen des Nationalsozialismus verfasste Kirchheimer Mitte der dreißiger Jahre aus marxistischer Sicht und gegen seinen Lehrer Carl Schmitt, der als „Kronjurist des Dritten Reiches“ bekannt ist. In den vierziger Jahren traten im Rahmen seiner Arbeit am Institut für Sozialforschung stärker rechtswissenschaftliche und kulturtheoretische Überlegungen hinzu, die er mit Hilfe empirischen Materials am Gegenstand entfaltete. Dies beinhaltet z.B. die These der „technischen Rationalität“ als Mittel zur totalitären Unterwerfung des Individuums, die es den rivalisierenden Gruppen (NSDAP, Industrie, Agrarsektor, Reichswehr, Staatsbürokratie) ermögliche durch eine dezentralisierte eigene Strafgerichtsbarkeit schnell und effizient Befehle durchzusetzen.
    Wer war Otto Kirchheimer? In welchem Kontext sind seine Analysen des Nationalsozialismus entstanden? Welche Bedeutung nehmen Kirchheimers Analysen in der gegenwärtigen Forschung zum Faschismus ein?

    Lisa Klingsporn, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte der Universität Greifswald. Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder) und Seoul wechselte sie zum Fach der Politikwissenschaft an die Universität Greifswald. Sie promoviert zur Rezeptionsgeschichte Otto Kirchheimers Arbeiten in den USA und Deutschland.
    Forschungsschwerpunkte: Wirkungsgeschichte Otto Kirchheimers, Geschichte der Politikwissenschaft in den USA und Deutschland; Politische Theorien im 20. Jahrhundert.
    Interessengebiet: Feministische Erkenntnistheorie

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften.

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Berichte zu den Veranstaltungen des Wintersemesters 2016/2017 erschienen

    Unsere Berichte zu den Veranstaltungen im Wintersemester 2016/2017 könnt Ihr ab jetzt hier abrufen. Zu der Veranstaltung mit Astrid Messerschmidt findet Ihr zusätzliche Informationen in diesem Beitrag.

  • Der Bericht zu dem Vortag von Prof. Dr. Uta Gerhardt: „Zur Handlungslogik der „Stunde Null““ am 13.12.2016 um 18 Uhr c.t. Theologicum T01.
  • Der Bericht zu dem Vortrag von Prof. Dr. Alfons Söllner: „Brauchen wir eine Neuauflage von Franz Neumanns „Behemoth“?“ am 10.01.2017 um 18 Uhr c.t. ZHG 009.
  • Der Bericht zu dem Vortrag von Prof. Dr. Rolf Pohl: „Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft“ am 17.01.2017 um 18 Uhr c.t. ZHG 006.
  • Ergänzende Informationen: Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Astrid Messerschmidt über „Antisemitismuskritik heute und der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Bildungsarbeit“ | Dienstag 24.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

    Am 24.01.2017 hat Prof. Dr. Messerschmidt in ihrem Vortag „Antisemitismuskritik heute und der Umgang mit dem Nationalsozialismus“ beleuchtet, wie Bildungsarbeit mit dem Nationalsozialismus umgehen sollte. Dazu hat sie zunächst Antisemitismus als analytischen Begriff vorgestellt, um dies schließlich an seiner aktuellsten Ausformung dem Feindbild Israel als Projektionsfläche zu vertiefen. Im nächsten Schritt zeigte sie, wie rassismuskritische und antisemitismuskritische Bildungsarbeit aussehen kann, um schließlich diese in den Kontext der Nachwirkungen des Nationalsozialismus zu stellen. Schließlich hat sie gefragt, wie Erinnerungspraktiken und zeitgeschichtliche Bildung in diesem Zusammenhang aussehen und aussehen könnten. Den Abschluss bildete eine Anwendung der Erkenntnisse auf die Frage, wie dem gegenwärtigen Rechtspopulismus begegnet werden kann.
    Wer nicht da war, oder das Wissen vertiefen möchte, kann dies hier tun:
    Astrid Messerschmidt (07.07.2014): Bildungsarbeit in der Auseinandersetzung mit gegenwärtigem Antisemitismus:
    http://www.bpb.de/apuz/187421/bildungsarbeit-in-der-auseinandersetzung-mit-gegenwaertigem-antisemitismus?p=all
    Astrid Messerschmidt (14.01.2016): Geschichtsbewusstsein ohne Identitätsbesetzungen – kritische Gedenkstättenpädagogik in der Migrationsgesellschaft: https://www.bpb.de/apuz/218720/kritische-gedenkstaettenpaedagogik-in-der-migrationsgesellschaft?p=all
    Astrid Messerschmidt: Vortrag: Politische Bildung im Kontext von Alltagsrassismus und Rechtspopulismus: https://www.youtube.com/watch?v=51wlVJFDfEw

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Rolf Pohl über „Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft“ | Dienstag 17.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

    Vortrag: Prof. Dr. Rolf Pohl über „Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft“ | Dienstag 17.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

    Ganz normale Massenmörder? Zur Sozialpsychologie der NS-TäterInnenschaft

    Ausgehend von der Frage, ob „etwa schlechthin alles, auch der Tod, auch der Terror, auch das Grauen, auch der Genozid dadurch `normalisiert` erscheinen [kann], dass es (…) `normal` funktioniert“ (Jürgen Link), soll der u.a. von Hannah Arendt hervorgehobenen Kluft zwischen der Monströsität der Taten und der „Banalität“ der nationalsozialistischen Täter nachgegangen werden. Das Hauptdefizit der aktuellen NS-Täterforschung besteht in dem weitgehenden Fehlen einer Reflexion der Begriffe „Normalität“ und „Pathologie“. Diese Kritik richtet sich aber nicht nur gegen eine inflationäre Verwendung des Normalitäts-Begriffs, sondern auch gegen die Gefahr eines ungeprüften Festhaltens an Begriffen der Psychopathologie. Mit beiden Zugängen lassen sich aus sozialpsychologischer Sicht die komplexen „Produktionsregeln“ (Peter Brückner) und damit die Logik des NS-Genozids an den Juden (und anderen „Fremvölkischen“) nicht erfassen.

    Rolf Pohl ist seit 2001 Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Seine Themenschwerpunkte in Lehre, Forschung und Publikationen sind Männlichkeits- und Geschlechterforschung, Jugendforschung und politische Psychologie. Er arbeitete über psychoanalytische und sozialpsychologische Fragen zu NS-Tätern und ihren Verbrechen.

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR SoWi).

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Astrid Messerschmidt über „Antisemitismuskritik heute und der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Bildungsarbeit“ | Dienstag 24.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

    Vortrag: Prof. Dr. Astrid Messerschmidt über „Antisemitismuskritik heute und der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Bildungsarbeit“ | Dienstag 24.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 006

    Antisemitismuskritik heute und der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Bildungsarbeit

    Vorwiegend wird Antisemitismus in der deutschen Öffentlichkeit als Problem der Vergangenheit betrachtet und mit der systematischen Judenverfolgung gleichgesetzt. Die ideologische Grundstruktur antisemitischer Denkweisen ist dagegen in der Breite der institutionalisierten Bildung kaum vermittelt worden, weshalb auch bei Lehrkräften auffällig wenige Kenntnisse darüber vorhanden sind, was die Verunsicherung gegenüber der Thematik verstärkt. Neuere Ansätze antisemitismuskritischer Bildung gehen auf das Machtparadigma ein, das eine überlegene und einflussreiche Gegenfigur imaginiert, der ein unschuldiges Selbstbild gegenübersteht. Dieses Selbstbild findet sich bis heute in den Thematisierungsformen der NS-Verbrechen. Es zeichnet sich dadurch aus, dass der Nationalsozialismus als ganz und gar überwunden und als Kontrastfolie der heutigen Verhältnisse aufgefasst wird. Diskontinuitäten und Nachwirkungen bleiben ausgeblendet. Der Vortrag skizziert Zugänge zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die Verbindungen und Verwandtschaften zu den Denkmustern der reinen nationalen Gemeinschaft reflektieren, ohne von einer ungebrochenen Kontinuität auszugehen.

    Astrid Messerschmidt, (geb. 1965) Dr. phil. habil., Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Diversität an der Bergischen Universität Wuppertal,
    Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Migrationsgesellschaftliche Bildung, Diversität und Diskriminierung, Geschlechtertheorien und geschlechterreflektierende Bildung; Antisemitismus und Rassismus in den Nachwirkungen des Nationalsozialismus.

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR SoWi).

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Alfons Söllner über „Brauchen wir eine Neuauflage von Franz Neumanns „Behemoth“?“ | Dienstag 10.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 009

    Vortrag: Prof. Dr. Alfons Söllner über „Brauchen wir eine Neuauflage von Franz Neumanns „Behemoth“?“ | Dienstag 10.01.2017 | 18 Uhr c.t. | ZHG 009

    Brauchen wir eine Neuauflage von Franz Neumanns „Behemoth“? – Kritische Theorie und Nationalsozialismusforschung

    Franz Neumanns „Behemoth“ aus dem Jahr 1942 war die erste Gesamtsdarstellung des Nationalsozialismus, die Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen umfasste. Sie basierte auf empirischem Material und verdichtete dieses nicht nur zu wuchtigen politischen Thesen, sondern stellte auch weitreichende theoretische Überlegungen an. Dazu gehört z.B. These vom deutschen Staat als „none-state“, der alle traditionellen Rechtsschranken hinter sich gelassen hat und die Bevölkerung durch Ideologie und Terror beherrscht, oder die Annahme einer polykratischen Struktur, innerhalb derer vier Eliten (Partei, Staatsverwaltung, Industrie und Militär) sich gegenseitig bekämpfen.

    Im Amerika der 1940er Jahre hoch geschätzt und zeitweilig als Handlungsanleitung für die Besatzungspolitik benützt, wurde das voluminöse Buch spät, erst 1977 ins Deutsche übersetzt und ist heute schon wieder vergriffen. Darf dieser Klassiker der NS-Forschung, der gleichzeitig ein hochsignifikantes Monument der Wissenschaftsemigration ist, vergessen werden? Muss er nicht neu aufgelegt werden? Der Vortrag diskutiert diese Frage sowohl unter theoriegeschichtlichen wie unter wissenschaftspolitischen Gesichtspunkten.

    Alfons Söllner ist emeritierter Professor für politische Theorie und Ideengeschichte, er lehrte von 1994 bis 2012 an der Technischen Universität Chemnitz.
    Geb. 1947 in Bayern, Studium in Regensburg, München und Harvard, 1977 Promotion an der LMU München, 1986 Habilitation an der FU Berlin, 1990/1 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, 1994-97 Prorektor der TU Chemnitz.
    Forschungsschwerpunkte: Wirkungsgeschichte der Hitler-Flüchtlinge; Geschichte der Politikwissenschaft; Politische Theorien im 20. Jahrhundert; Politische Ästhetik; Flüchtlingspolitik.
    Bücher u.a.: Peter Weiss und die Deutschen, 1988; Deutsche Politikwissenschaftler in der Emigration, 1996; Fluchtpunkte. Studien zur politischen Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts, 2006; Deutsche Frankreich-Bücher aus der Zwischenkriegszeit, 2012

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR SoWi).

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Uta Gerhardt über „Zur Handlungslogik der „Stunde Null““ | Dienstag 13.12.2016 | 18 Uhr c.t. | Theologicum T01

    Vortrag: Prof. Dr. Uta Gerhardt über „Zur Handlungslogik der „Stunde Null““ | Dienstag 13.12.2016 | 18 Uhr c.t. | Theologicum T01

    Zur Handlungslogik der „Stunde Null“

    Der Vortrag behandelt die soziologische und die gesellschaftliche Problemstellung der Transformation nach der NS-Diktatur.

    Wie konnte aus dem nationalsozialistischen Deutschland eine demokratische Gesellschaft werden? Die Transformation war Gegenstand der Monographie „Soziologie der Stunde Null“, auf der dieser Vortrag aufbaut. Gerhardt befasst sich (begrifflich aus der Perspektive Max Webers und Talcott Parsons‘) mit der Handlungslogik der (amerikanischen) Besatzungsherrschaft, die sich das Ziel setzte, aus der verbrecherischen Diktatur eine moderne Industriegesellschaft und aus den Deutschen eine Nation friedlicher Bürger zu machen.

    Der Vortrag teilt sich in zwei Teile: Im ersten Teil werden die allgemeinen Grundlinien der Transformation nach der NS-Diktatur aufgezeigt. Dabei wird die Fragestellung unter Rückgriff auf Max Webers Theorie der legitimen Herrschaft präzisiert. Darauf aufbauend wird der Wandel nach der NS-Diktatur als Phase der Liminalität nach Victor Turner dargestellt. Im zweiten Teil werden diese theoretischen Einblicke auf die Entwicklung der deutschen Justiz angewandt. Besonders die zweigliedrige Struktur der Justiz nach der NS-Diktatur, bei der amerikanische und deutsche Gerichte nebeneinander bestanden, wird in den Fokus gerückt werden.

    Prof. Dr. Uta Gerhardt ist emeritierte Professorin an der Universität Heidelberg. Ihr umfangreiches Werk beinhaltet Studien zur soziologischen Theorie (besonders Rollentheorie, Idealtypen, Parsons), zur Medizinsoziologie und in den letzten Jahren zur Geschichte der amerikanischen Besatzungszone. Sie lehrte an verschiedenen Universitäten in den USA und Deutschland.

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR SoWi).

    Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Florian Eisheuer über „Ethnologie im Nationalsozialismus“ | Dienstag 07.06.2016 | 18 Uhr c.t. | ZHG 103

    Vortrag: Florian Eisheuer über „Ethnologie im Nationalsozialismus“ | Dienstag 07.06.2016 | 18 Uhr c.t. | ZHG 103

    Bereits 1946, gerade mal ein Jahr nach dem militärischen Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Deutschland, wollte man in der Ethnologie schon nichts mehr von den Verstrickungen des Faches in die Politik des Nationalsozialismus wissen. Bei der ersten Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) im postnazistischen Deutschland stellten die versammelten EthnologInnen sich selbst einen großzügigen Persilschein aus und behaupteten schlicht, man habe sich „aus der Sphäre des Nationalsozialismus“ herausgehalten. Äußerst zögerlich, erst rund 40 Jahre später, begann eine zunächst eher zurückhaltende Aufarbeitung dieses lange geleugneten Kapitels der Fachgeschichte. Zahlreiche Beispiele für Rassismus, Antisemitismus und völkische Ideologie konnten seitdem herausgearbeitet werden, ausgehend nicht etwa von Randfiguren der Ethnologie, sondern auch von ihren VordenkerInnen, die sich zumindest teilweise eine praktische Kooperation mit nationalsozialistischer Politik herbeisehnten. In dem Vortrag soll es um diese verschiedenen Formen der Kooperation gehen.

    Florian Eisheuer ist Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und arbeitet freiberuflich für die Amadeu Antonio Stiftung.

    In Kooperation mit dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR SoWi).