Archiv der Kategorie 'Nationalsozialismus'

Bericht Veranstaltung mit Alfons Söllner über „Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“ am 26.01.2015

Hier findet ihr unseren Veranstaltungsbericht zu der Veranstaltung mit Alfons Söllner am 26.01.2015: Bericht

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Dienstag 23.06.2015 18.15 Uhr ZHG 002: Hansjörg Gutberger: „Sozialforschung und Raumordnungspolitik im NS-Staat“

Aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ Der Basisgruppe Sozialwissenschaften in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V.

Hansjörg Gutberger
Dienstag 23.06.2015 | 18.15 Uhr | ZHG 002

Sozialforschung und Raumordnungspolitik im NS-Staat

Räumliche Entwicklungen können soziale Ungleichheiten und soziale (Des-) Integrationsprozesse mit (re-)produzieren. Raumbezogene Unterscheidungen, etwa zwischen Zentrum und Peripherie, werden darum in den Sozialwissenschaften wieder mehr beachtet. In der Fokussierung auf das Räumliche liegen aber auch Gefahren. Die Überbetonung allein der Raumdimension führte in der Vergangenheit meist direkt zu Ideologien agrarischer, ökologischer oder auch völkischer Art.

Es gibt aber auch verschiedene Sachdimensionen des Räumlichen. So können etwa sehr einseitig verlaufende räumliche Entwicklungen langfristig wirkende gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen: Wo als ‚integratives‘ Angebot ein Einkaufscenter, ein Fußballstadion oder ein Golfplatz steht, erübrigen sich andere mögliche Formen des gesellschaftlichen Miteinanders.
Auch die einmal gewachsenen Siedlungsstrukturen lassen sich so schnell nicht wieder auflösen. Wachsende sozialräumliche Segregationen sind der Preis des heutigen Turbo-Kapitalismus.

Was haben aber diese Facetten des Räumlichen mit einer Soziologie zu tun, die vor 80 Jahren betrieben wurde? Und das in einem nationalsozialistischen Regime, das jedenfalls vorgab ganz anders als alle anderen gesellschaftlichen Systeme zu sein?

Nun, die jetzt neuerlich ins Blickfeld geratene empirische Sozialwissenschaft der NS-Jahre war nicht zuletzt Forschung für Raumordnungspolitik. Diese Sozialforschung wurde nicht nur außeruniversitär sondern auch an den Hochschulen betrieben. Häufig in einem eigens installierten und institutionalisierten Bereich („Hochschularbeitsgemeinschaften“) . Sie wurde finanziert von NS-Behörden wie der Reichsstelle für Raumordnung oder dem Reichsnährstand.
Der NS-Staat forderte etwas von seinen Wissenschaftlern: ihre Mitwirkung an Forschungen, die der ‚Volksgemeinschaft‘ zugute kommen sollten. Vor 20 Jahren habe ich dies als Verklammerung von Wissenschaft und politisch-administrativer Praxis zu beschreiben versucht; heute spricht man in der Wissenschaftsforschung von der „rekursiven Kopplung von Wissenschaft und Politik“ (P. Weingart) und von dem Wechselverhältnis von Wissenschaft und Politik als „Ressourcen füreinander“ (M. Ash).

Die Raumforschung/-ordnung war ein solcher Bereich. Er existierte auch nach 1945.
Wenn von empirischer Soziologie im NS-Staat die Rede ist, dann ist damit meist soziologische Forschung in der Raumforschung gemeint. Diese Soziologie stand (wie auch die Forschung anderer Wissenschaftsdisziplinen) in einem relativ engen Wechselverhältnis zur Raumordnungspolitik des NS-Staates, sie bediente sich aber durchaus jener Form von Expertise, die an fachliche Standards anknüpfte. Nützliche Expertise und verwert­bare Ergebnisse standen auch nicht immer in Einklang mit ‚politisch korrekten‘ Normen der NSDAP. Durch die Trennung war beiden Seiten, der Politik wie der Wissenschaft, besser gedient.
Raumordnungspolitik hatte im ‚Dritten Reich‘ sehr unterschiedliche Implikationen, darunter expansionistische, rassistische, völkische und gewaltförmige Seiten. Raumordnung betraf aber auch Fragen der ländlichen Modernisierung, der Verkehrsinfrastrukturplanung, des Wasserbaus, der Forstpolitik, der Verteilung verfügbarer Flächen für unterschiedliche Herrschaftsträger (und damit für unterschiedliche Zwecke der ‚System­integration‘), sie betraf auch Aspekte der konkreten Gestaltung der ‚Volksgemeinschaft‘ in der Region, der Ungleichheit und des Ausschlusses gesellschaftlich nicht wohl gelittener Personengruppen u.a.m.

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Dienstag 02.06.2015 18.15 Uhr ZHG 103: Maja Suderland: „Soziologie und Konzentrationslager“

Aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ Der Basisgruppe Sozialwissenschaften in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V.

Maja Suderland
Dienstag 02.06.2015 | 18.15 Uhr | ZHG 103

Soziologie und Konzentrationslager
Über den Beitrag deutschsprachiger Soziolog_innen zur Analyse der nationalsozialistischen Zwangslager

Bereits unmittelbar nach Ende des „Dritten Reiches“ gerieten die Konzentrationslager ins Zentrum der Aufmerksamkeit einer entsetzten Weltöffentlichkeit. Seither hat das Thema verschiedene Konjunkturen erlebt, aber insgesamt ist das Interesse keineswegs rückläufig. Auch in diesem Jahr, wo man die 70. Jahrestage der Befreiung der Konzentrationslager beging, erfuhren die NS-Zwangslager erneut große Beachtung in sämtlichen Medien.
Man könnte nun annehmen, dass es insbesondere in Deutschland als dem Land der Täter auch in der Soziologie eine zentrale Auseinandersetzung mit diesem Thema gegeben hat und gibt. Zudem erscheint es für die „Wissenschaft von der Gesellschaft“ doch naheliegend, dass sie sich sowohl mit der NS-Gesellschaft befasst, die man ebenso gut als eine „Gesellschaft der Lager“ bezeichnen könnte, als auch mit den sozialen Verhältnissen und Prozessen innerhalb der NS-Zwangslager sowie mit dem gesellschaftlichen Umgang mit den ehemaligen KZ-Häftlingen nach ihrer Befreiung. Die deutsche und deutschsprachige Soziologie hat sich allerdings bislang nur sehr sporadisch mit Konzentrationslagern befasst und es gibt lediglich verstreut und vereinzelt soziologische Studien zum Thema. Darunter befinden sich sogar sehr frühe, schon während der NS-Zeit entstandene und wenig bekannte Arbeiten, aber auch spätere, heute weitgehend unbekannte, ebenso solche, die zwar stark rezipiert, aber nicht „als soziologisch“ gelesen werden.
Wie also beteilig(t)en sich deutschsprachige Soziolog_innen an den Debatten über die Konzentrationslager? Und hat das Thema einen festen Platz in der soziologischen Lehre an den deutschen Universitäten?
Der Vortrag will einen systematischen Überblick über den Beitrag deutschsprachiger Soziolog_innen zur wissenschaftlichen Analyse der mit den NS-Zwangslagern verbundenen Themen geben und den möglichen Erkenntnisgewinn einer „Soziologie der Konzentrationslager“ diskutieren. Dabei soll auch reflektiert werden, welche empirischen Methoden und theoretischen Konzepte zu deren Analyse geeignet erscheinen und inwiefern die Popularität bestimmter Methoden und Theorien möglicherweise dazu beiträgt, dass das Thema aus dem soziologischen Blick gerät.

Bericht 08.12.2014 Veranstaltung „Politikwissenschaft im Nationalsozialismus“ mit Prof. Dr. Rainer Eisfeld

Hier findet ihr unseren Veranstaltungsbericht zu der Veranstaltung mit Rainer Eisfeld am 08.12.2014: Bericht

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Montag 26.01.2015 18 Uhr ZHG 003: Prof. Dr. Alfons Söllner: „Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Prof. Dr. Alfons Söllner: Montag 26.01.2015 18 Uhr ZHG 003

„Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“

Die frühe Frankfurter Schule hat auf der Basis einer revidierten marxistischen Gesellschaftslehre drei markante Ansätze der Faschismusanalyse entwickelt: die Ideologiekritik des bürgerlichen Menschen; die Zerstörung der Rechtsrationalität im Nationalsozialismus; und die Sozialpsychologie des autoritären Charakters. Die dazugehörigen Theorien erhalten schärfere Konturen, wenn man sie vergleicht mit der sog. Totalitarismustheorie, die sich auf die Herrschaftsmethoden der modernen Diktaturen konzentriert hat.

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Freitag 16.01.2015 18 Uhr ZHG 002: Dr. Michaela Christ: „Soziologie und Nationalsozialismus“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Dr. Michaela Christ: Freitag 16.01.2015 18 Uhr ZHG 002

„Soziologie und Nationalsozialismus – Ein schwieriges Verhältnis“

Die Auseinandersetzung von deutschsprachigen Soziologinnen und Soziologen mit dem ‚Dritten Reich‘ begann schon Mitte der 1930er Jahre, sie dauert bis heute an. Gleichwohl und trotz der Bedeutung, die der Nationalsozialismus für alle gesellschaftlichen Bereiche der Bundesrepublik hatte (und zum Teil noch immer hat), ist der NS in der ‚Wissenschaft von der Gesellschaft‘ ein randständiges Thema geblieben.
Was sind die Ursachen für dieses Nischendasein? Welche Rolle spielen inhaltliche und personelle Kontinuitäten? Inwiefern lenk(t)en bestimmte Paradigmen, Methoden und Forschungsprogramme den Blick weg von Gewalt, Massenverbrechen und autoritärem Regime? Und schließlich: Was wäre gewonnen, wenn sich die Soziologie intensiver mit Holocaust und NS beschäftigte?

Rezension: Rainer Eisfeld (2013): Ausgewandert und trotzdem angebräunt. Deutsche Politikwissenschaft 1920-1945.

Zur Monographie unseres heutigen Referenten Rainer Eisfeld in der Reihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ „Ausgewandert und trotzdem angebräunt“ haben wir eine Rezension verfasst. Die wir euch hier zur Verfügung stellen.

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002: Rainer Eisfeld über „Politikwissenschaft im Nationalsozialismus“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Prof. Dr. Rainer Eisfeld: Montag 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002

„Politikwissenschaft und Nationalsozialismus: Ergebnisse, Maßstäbe, Probleme der Disziplingeschichte, besonders am aktuellen Beispiel der Eschenburg-Debatte“

Der „Gründungsmythos“ (Hubertus Buchstein) der westdeutschen Politologie lautete: Die Deutsche Hochschule für Politik in Berlin, Vorläuferin des heutigen Otto Suhr-Instituts der Freien Universität, war und blieb seit ihrer Errichtung 1920 ein republikanisch-demokratisches Unternehmen. Sie verweigerte sich dem NS-Regime, löste sich 1933 auf, zahlreiche Fachvertreter gingen ins Exil. Als sie nach 1949 zurückkehrten, begründeten sie mit anderen unbelasteten Wissenschaftlern, unterstützt von westlichen Alliierten und deutschen Politikern, jene Disziplin, die als einzige von Anfang auf die wissenschaftliche Fundierung eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland zielte. Aus mehreren Gründen war dies ein attraktives Konzept. Dass in der Disziplin nach 1945, anders als im Hochschulbereich insgesamt, der personelle Bruch gegenüber der Kontinuität überwog, bleibt richtig. Dass es zu einer adäquaten Einschätzung dennoch differenzierterer Sichtweisen als bisher bedarf, die im Fach teilweise auf Widerstand stoßen, belegen die Fälle Arnold Bergstraesser, Michael Freund und aktuell besonders Theodor Eschenburg.

Veranstaltungsbericht 04.11.2014 „Erziehungswissenschaften im Nationalsozialismus“ von Wolfgang Keim

Hier findet ihr unseren Veranstaltungsbericht zu der Veranstaltung mit Wolfgang Keim am 04.11.2014:
Veranstaltungsbericht

Veranstaltungsreihe Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus

Hiermit laden wir Sie/Euch herzlich zur ersten Veranstaltung der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus – Kontinuitäten, Zäsuren, Konflikte“. Am 04.11.2014 wird um 18 Uhr im ZHG 002 Prof. Dr. Wolfgang Keim über Erziehungswissenschaften im Nationalsozialismus sprechen. Weitere Informationen befinden sich in dieser Mail, ebenso wie ein Ankündigungstext für die Veranstaltungsreihe, sowie die Ankündigungen der nächsten Veranstaltungen.
Über zahlreiches Erscheinen würden wir uns freuen.
Mit herzlichen Grüßen
eure Basisgruppe Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus WiSe 2014/2015 Plakat

Prof. Dr. Wolfgang Keim: Dienstag 04.11.2014 18 Uhr ZHG 002

„Erziehungswissenschaft und Nationalsozialismus – Zur belasteten und verdrängten Tradition einer Disziplin“

Unter dem Titel „Das falsche Vorbild“ veröffentlichte die taz im Vorfeld des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft einen Kommentar anlässlich der Benennung eines Forschungspreises nach dem renommierten Göttinger Erziehungswissenschaftler Heinrich Roth, der aufgrund seiner NS-Vergangenheit als Namengeber für nicht geeignet bezeichnet wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass die „Gesellschaft“ rasch einen anderen Namengeber für ihren Preis fand, zeigt dieses Beispiel, wie auch fast 70 (!) Jahre nach der Zerschlagung des NS-Regimes in der Erziehungswissenschaft wie in anderen Wissenschaftsdisziplinen das Erbe der NS-Belastungen nachwirkt. Worin liegen diese Belastungen? Inwiefern war die Erziehungswissenschaft Teil des NS-Systems, trug somit Mitverantwortung für dessen Verbrechen, wo sind die Ursachen dafür zu suchen? Gab es umgekehrt eine nicht- belastete Erziehungswissenschaft unter der Nazi-Diktatur? Nicht zuletzt: Was heißt „Verdrängung“ der NS-Vergangenheit, bezogen auf die Erziehungswissenschaft, und welche Bedeutung könnte die Thematik für die heutige jüngere Generation haben? Diesen Fragen will der Vortrag des Paderborner Hochschullehrers nachgehen
Prof. Keim ist Autor einer zweibändigen Darstellung zur „Erziehung unter der Nazi-Diktatur“ (1995/97) und war in den 1980er und 1990er Jahren maßgeblich beteiligt am Streit der Erziehungswissenschaft um die Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit.

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„Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus – Kontinuitäten, Zäsuren, Konflikte“

Die Frage, warum „die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“ ist bis heute aktuell.
Horkheimer und Adorno widmeten sich ihr in der „Dialektik der Aufklärung“ (1944) und auch in aktuellen Debatten der Sozialwissenschaften ist diese Frage virulent. Genauer gesagt, geht es in den Debatten auch darum, ob die Frage überhaupt zum Forschungsgegenstand der eigenen Disziplin gehören soll oder nicht.
Darüber hinaus geht es um den „richtigen“ Umgang der eigenen Disziplin mit dem Nationalsozialismus, um personelle und theoretische Kontinuitäten, um die Namengeberschaft für Wissenschaftspreise, um Theodor Eschenburg, Heinrich Roth und Alfred Weber.

In dieser Veranstaltungsreihe soll sich mit der Rolle einzelner sozialwissenschaftlicher Disziplinen im Nationalsozialismus, sowie der Geschichte ihrer (Nicht-) Aufarbeitung auseinandergesetzt werden.
Fragen wie:
- Welche Rolle spielt der Nationalsozialismus in den heutigen Sozialwissenschaften?
- Wo gibt es Kontinuitäten und warum und (wie) werden sie zur Diskussion gestellt?
- Wie ist verantwortungsvoll mit der Geschichte der eigenen Disziplin umzugehen?
- Und nicht zuletzt: Was kann eine sozialwissenschaftliche Analyse des Nationalsozialismus zur Erforschung der Mechanismen, die den Holocaust möglich gemacht haben, beitragen?
sollen thematisiert werden.

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Das restliche Programm:

Prof. Dr. Rainer Eisfeld: Montag 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002

„Politikwissenschaft und Nationalsozialismus: Ergebnisse, Maßstäbe, Probleme der Disziplingeschichte, besonders am aktuellen Beispiel der Eschenburg-Debatte“

Der „Gründungsmythos“ (Hubertus Buchstein) der westdeutschen Politologie lautete: Die Deutsche Hochschule für Politik in Berlin, Vorläuferin des heutigen Otto Suhr-Instituts der Freien Universität, war und blieb seit ihrer Errichtung 1920 ein republikanisch-demokratisches Unternehmen. Sie verweigerte sich dem NS-Regime, löste sich 1933 auf, zahlreiche Fachvertreter gingen ins Exil. Als sie nach 1949 zurückkehrten, begründeten sie mit anderen unbelasteten Wissenschaftlern, unterstützt von westlichen Alliierten und deutschen Politikern, jene Disziplin, die als einzige von Anfang auf die wissenschaftliche Fundierung eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland zielte. Aus mehreren Gründen war dies ein attraktives Konzept. Dass in der Disziplin nach 1945, anders als im Hochschulbereich insgesamt, der personelle Bruch gegenüber der Kontinuität überwog, bleibt richtig. Dass es zu einer adäquaten Einschätzung dennoch differenzierterer Sichtweisen als bisher bedarf, die im Fach teilweise auf Widerstand stoßen, belegen die Fälle Arnold Bergstraesser, Michael Freund und aktuell besonders Theodor Eschenburg.

Dr. Michaela Christ: Freitag 16.01.2015 18 Uhr ZHG 002

„Soziologie und Nationalsozialismus – Ein schwieriges Verhältnis“

Die Auseinandersetzung von deutschsprachigen Soziologinnen und Soziologen mit dem ‚Dritten Reich‘ begann schon Mitte der 1930er Jahre, sie dauert bis heute an. Gleichwohl und trotz der Bedeutung, die der Nationalsozialismus für alle gesellschaftlichen Bereiche der Bundesrepublik hatte (und zum Teil noch immer hat), ist der NS in der ‚Wissenschaft von der Gesellschaft‘ ein randständiges Thema geblieben.
Was sind die Ursachen für dieses Nischendasein? Welche Rolle spielen inhaltliche und personelle Kontinuitäten? Inwiefern lenk(t)en bestimmte Paradigmen, Methoden und Forschungsprogramme den Blick weg von Gewalt, Massenverbrechen und autoritärem Regime? Und schließlich: Was wäre gewonnen, wenn sich die Soziologie intensiver mit Holocaust und NS beschäftigte?

Prof. Dr. Alfons Söllner: Montag 26.01.2015 18 Uhr ZHG 003

„Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“

Die frühe Frankfurter Schule hat auf der Basis einer revidierten marxistischen Gesellschaftslehre drei markante Ansätze der Faschismusanalyse entwickelt: die Ideologiekritik des bürgerlichen Menschen; die Zerstörung der Rechtsrationalität im Nationalsozialismus; und die Sozialpsychologie des autoritären Charakters. Die dazugehörigen Theorien erhalten schärfere Konturen, wenn man sie vergleicht mit der sog. Totalitarismustheorie, die sich auf die Herrschaftsmethoden der modernen Diktaturen konzentriert hat.