Archiv der Kategorie 'Vortrag'

Bericht 08.12.2014 Veranstaltung „Politikwissenschaft im Nationalsozialismus“ mit Prof. Dr. Rainer Eisfeld

Hier findet ihr unseren Veranstaltungsbericht zu der Veranstaltung mit Rainer Eisfeld am 08.12.2014: Bericht

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Montag 26.01.2015 18 Uhr ZHG 003: Prof. Dr. Alfons Söllner: „Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Prof. Dr. Alfons Söllner: Montag 26.01.2015 18 Uhr ZHG 003

„Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“

Die frühe Frankfurter Schule hat auf der Basis einer revidierten marxistischen Gesellschaftslehre drei markante Ansätze der Faschismusanalyse entwickelt: die Ideologiekritik des bürgerlichen Menschen; die Zerstörung der Rechtsrationalität im Nationalsozialismus; und die Sozialpsychologie des autoritären Charakters. Die dazugehörigen Theorien erhalten schärfere Konturen, wenn man sie vergleicht mit der sog. Totalitarismustheorie, die sich auf die Herrschaftsmethoden der modernen Diktaturen konzentriert hat.

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: Freitag 16.01.2015 18 Uhr ZHG 002: Dr. Michaela Christ: „Soziologie und Nationalsozialismus“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus“ der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Dr. Michaela Christ: Freitag 16.01.2015 18 Uhr ZHG 002

„Soziologie und Nationalsozialismus – Ein schwieriges Verhältnis“

Die Auseinandersetzung von deutschsprachigen Soziologinnen und Soziologen mit dem ‚Dritten Reich‘ begann schon Mitte der 1930er Jahre, sie dauert bis heute an. Gleichwohl und trotz der Bedeutung, die der Nationalsozialismus für alle gesellschaftlichen Bereiche der Bundesrepublik hatte (und zum Teil noch immer hat), ist der NS in der ‚Wissenschaft von der Gesellschaft‘ ein randständiges Thema geblieben.
Was sind die Ursachen für dieses Nischendasein? Welche Rolle spielen inhaltliche und personelle Kontinuitäten? Inwiefern lenk(t)en bestimmte Paradigmen, Methoden und Forschungsprogramme den Blick weg von Gewalt, Massenverbrechen und autoritärem Regime? Und schließlich: Was wäre gewonnen, wenn sich die Soziologie intensiver mit Holocaust und NS beschäftigte?

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus: 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002: Rainer Eisfeld über „Politikwissenschaft im Nationalsozialismus“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus der BG SoWi in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.

Prof. Dr. Rainer Eisfeld: Montag 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002

„Politikwissenschaft und Nationalsozialismus: Ergebnisse, Maßstäbe, Probleme der Disziplingeschichte, besonders am aktuellen Beispiel der Eschenburg-Debatte“

Der „Gründungsmythos“ (Hubertus Buchstein) der westdeutschen Politologie lautete: Die Deutsche Hochschule für Politik in Berlin, Vorläuferin des heutigen Otto Suhr-Instituts der Freien Universität, war und blieb seit ihrer Errichtung 1920 ein republikanisch-demokratisches Unternehmen. Sie verweigerte sich dem NS-Regime, löste sich 1933 auf, zahlreiche Fachvertreter gingen ins Exil. Als sie nach 1949 zurückkehrten, begründeten sie mit anderen unbelasteten Wissenschaftlern, unterstützt von westlichen Alliierten und deutschen Politikern, jene Disziplin, die als einzige von Anfang auf die wissenschaftliche Fundierung eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland zielte. Aus mehreren Gründen war dies ein attraktives Konzept. Dass in der Disziplin nach 1945, anders als im Hochschulbereich insgesamt, der personelle Bruch gegenüber der Kontinuität überwog, bleibt richtig. Dass es zu einer adäquaten Einschätzung dennoch differenzierterer Sichtweisen als bisher bedarf, die im Fach teilweise auf Widerstand stoßen, belegen die Fälle Arnold Bergstraesser, Michael Freund und aktuell besonders Theodor Eschenburg.

Intros: Mi: 10.12.2014 18:30 Uhr JuzI: Jennifer Müller über „Kritische Theorie und widerständige Praxis“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe Intros, von JuzI und BG SoWi!

Kritische Theorie und widerständige Praxis

Jennifer Ch. Müller, 10.12.2014, 18.30 im Jugendzentrum Innenstadt (JuzI)

In diesem Vortrag mit anschließender Diskussion wird zunächst grundlegend in den Forschungszusammenhang der Kritischen Theorie der sogenannten »Frankfurter Schule« eingeführt. Nach der Rekonstruktion ihres Entstehungszusammenhangs erfolgt anschließend eine Vorstellung einiger zentraler Werke mit dem Augenmerk auf ihre Rolle im Wissenschaftssystem damals wie heute. Im letzten Teil des Vortrages wird ein kleiner Bestandteil ihrer Theoriearbeit besonders hervorgehoben, der vor allem von Studierenden bis heute rezipiert wird – ihr Bildungskonzept. Die Kritische Theorie kann nicht bloß allgemein für die aktuelle sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung wichtige Impulse liefern, sondern dies in spezifischer Weise ebenso für die Bildungstheorie und Bildungsforschung. Gerade in den Artikeln, Vorlesungen und Vorträgen von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno über den Bildungsbegriff, Bildungsprozesse sowie bildungsermöglichende und bildungshemmende Faktoren wird deutlich, dass die Kritische Theorie durchaus „praxisbezogen“ auf die Gesamtgesellschaft Bezug nimmt.

Es ist sicher kein Zufall, dass sie so bis heute immer wieder Eingang in außeruniversitäre Diskussionen um widerständiges Denken und Leben findet. Die Aktualität und Relevanz der Kritischen Theorie soll an diesem Beispiel gemeinsam mit dem Plenum diskutiert werden.

Intros – Aufbruch zu neuen Wissenswelten

Theorie erscheint oft wie eine weite, unendliche Galaxie. Vollgestopft mit merkwürdigen Bewohner*innen und selbsternannten Sternenhütern, die auf fremden Planeten hocken und Unverständliches von sich geben. Da bleibt so manche Kosmonaut*in lieber zuhause. Wer aber nur um die eigene Sonne kreist, kommt nunmal nicht weit. In den Intros wollen wir wenigstens einen kleinen Einblick in unbekannte Themenwelten geben, um die Weiterreise zu erleichtern.

Mit dem zweiten Teil unserer Veranstaltungsreihe wollen wir euch erneut die Möglichkeit bieten, in unterschiedliche linke Themen reinzuhören, von
denen ihr gehört habt, aber vielleicht noch gar nicht viel wisst. Gemeinsam wollen wir uns folgenden Fragen in Vorträgen, Workshops und Plenumsdiskussionen widmen: Wie steht die Theorie von Marx zur weltweiten Finanzkrise und welche Lösungsweg bietet sie möglicherweise? Warum sich mit Psychoanalyse beschäftigen und was hat das mit Gesellschaftskritik zu tun? Wer gehört eigentlich zur Frankfurter Schule und was ist an ihrer Theorie „kritisch“? Was bringen uns diese Theorien in unserer politischen Arbeit? Wir wollen gemeinsam versuchen, Antworten auf diese Fragen im Verlauf unserer Veranstaltungsreihe näher zu kommen.

In diesem Sinne:

don‘t worry – it’s not rocket science

Intros: Mi: 03.12.2014 18:30 Uhr JuzI: Johanna Schmidt über „Gesellschaftskritik und Psychoanalyse“

Eine Veranstaltung aus der Veranstaltungsreihe Intros, von JuzI und BG SoWi!

Gesellschaftskritik & Psychoanalyse.
Eine kritische Einführung in die Psychoanalyse

Johanna Schmidt, 03.12.2014, 18.30 im Jugendzentrum Innenstadt (JuzI)

Die Einwände gegen die Psychoanalyse – die meist schon vorab als widerlegte oder gar lächerliche Theorie abgetan wird – sind vielfältig:
So steht sie in der Kritik, deterministisch, individualistisch und anti-feministisch zu sein. Ihr wird vorgeworfen, den Menschen als notwendiges Produkt seiner Kindheitsentwicklung zu verstehen. Sie würde des Weiteren gesellschaftliche Einflüsse auf das Individuum nicht hinreichend mit einbeziehen und könne somit soziale Phänomene nicht erklären. Außerdem konzentriere sich psychoanalytische Theorie nur auf das Männliche und rechtfertige eine Inferiorsetzung von Weiblichkeit.

In dem Vortrag sollen – nach einer kurzen Erläuterung psychoanalytischer Grundannahmen – solche Meinungen und Einwände auf ihre Richtigkeit überprüft und der Frage nachgegangen werden, inwieweit psychoanalytische Theorie für eine Ideologiekritik der modernen Gesellschaft fruchtbar gemacht werden kann. Im Vortrag werden neurotische Zwänge am Beispiel des Waschzwangs sowie familiäre sexuelle Übergriffe thematisiert.

Es besteht somit eine _Trigger-Gefahr_ für Betroffene.

Intros – Aufbruch zu neuen Wissenswelten

Theorie erscheint oft wie eine weite, unendliche Galaxie. Vollgestopft mit merkwürdigen Bewohner*innen und selbsternannten Sternenhütern, die auf fremden Planeten hocken und Unverständliches von sich geben. Da bleibt so manche Kosmonaut*in lieber zuhause. Wer aber nur um die eigene Sonne kreist, kommt nunmal nicht weit. In den Intros wollen wir wenigstens einen kleinen Einblick in unbekannte Themenwelten geben, um die Weiterreise zu erleichtern.

Mit dem zweiten Teil unserer Veranstaltungsreihe wollen wir euch erneut die Möglichkeit bieten, in unterschiedliche linke Themen reinzuhören, von
denen ihr gehört habt, aber vielleicht noch gar nicht viel wisst. Gemeinsam wollen wir uns folgenden Fragen in Vorträgen, Workshops und Plenumsdiskussionen widmen: Wie steht die Theorie von Marx zur weltweiten Finanzkrise und welche Lösungsweg bietet sie möglicherweise? Warum sich mit Psychoanalyse beschäftigen und was hat das mit Gesellschaftskritik zu tun? Wer gehört eigentlich zur Frankfurter Schule und was ist an ihrer Theorie „kritisch“? Was bringen uns diese Theorien in unserer politischen Arbeit? Wir wollen gemeinsam versuchen, Antworten auf diese Fragen im Verlauf unserer Veranstaltungsreihe näher zu kommen.

In diesem Sinne:

don‘t worry – it’s not rocket science

Veranstaltungsbericht 04.11.2014 „Erziehungswissenschaften im Nationalsozialismus“ von Wolfgang Keim

Hier findet ihr unseren Veranstaltungsbericht zu der Veranstaltung mit Wolfgang Keim am 04.11.2014:
Veranstaltungsbericht

Veranstaltungsreihe Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus

Hiermit laden wir Sie/Euch herzlich zur ersten Veranstaltung der Veranstaltungsreihe „Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus – Kontinuitäten, Zäsuren, Konflikte“. Am 04.11.2014 wird um 18 Uhr im ZHG 002 Prof. Dr. Wolfgang Keim über Erziehungswissenschaften im Nationalsozialismus sprechen. Weitere Informationen befinden sich in dieser Mail, ebenso wie ein Ankündigungstext für die Veranstaltungsreihe, sowie die Ankündigungen der nächsten Veranstaltungen.
Über zahlreiches Erscheinen würden wir uns freuen.
Mit herzlichen Grüßen
eure Basisgruppe Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus WiSe 2014/2015 Plakat

Prof. Dr. Wolfgang Keim: Dienstag 04.11.2014 18 Uhr ZHG 002

„Erziehungswissenschaft und Nationalsozialismus – Zur belasteten und verdrängten Tradition einer Disziplin“

Unter dem Titel „Das falsche Vorbild“ veröffentlichte die taz im Vorfeld des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft einen Kommentar anlässlich der Benennung eines Forschungspreises nach dem renommierten Göttinger Erziehungswissenschaftler Heinrich Roth, der aufgrund seiner NS-Vergangenheit als Namengeber für nicht geeignet bezeichnet wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass die „Gesellschaft“ rasch einen anderen Namengeber für ihren Preis fand, zeigt dieses Beispiel, wie auch fast 70 (!) Jahre nach der Zerschlagung des NS-Regimes in der Erziehungswissenschaft wie in anderen Wissenschaftsdisziplinen das Erbe der NS-Belastungen nachwirkt. Worin liegen diese Belastungen? Inwiefern war die Erziehungswissenschaft Teil des NS-Systems, trug somit Mitverantwortung für dessen Verbrechen, wo sind die Ursachen dafür zu suchen? Gab es umgekehrt eine nicht- belastete Erziehungswissenschaft unter der Nazi-Diktatur? Nicht zuletzt: Was heißt „Verdrängung“ der NS-Vergangenheit, bezogen auf die Erziehungswissenschaft, und welche Bedeutung könnte die Thematik für die heutige jüngere Generation haben? Diesen Fragen will der Vortrag des Paderborner Hochschullehrers nachgehen
Prof. Keim ist Autor einer zweibändigen Darstellung zur „Erziehung unter der Nazi-Diktatur“ (1995/97) und war in den 1980er und 1990er Jahren maßgeblich beteiligt am Streit der Erziehungswissenschaft um die Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit.

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„Sozialwissenschaften und Nationalsozialismus – Kontinuitäten, Zäsuren, Konflikte“

Die Frage, warum „die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“ ist bis heute aktuell.
Horkheimer und Adorno widmeten sich ihr in der „Dialektik der Aufklärung“ (1944) und auch in aktuellen Debatten der Sozialwissenschaften ist diese Frage virulent. Genauer gesagt, geht es in den Debatten auch darum, ob die Frage überhaupt zum Forschungsgegenstand der eigenen Disziplin gehören soll oder nicht.
Darüber hinaus geht es um den „richtigen“ Umgang der eigenen Disziplin mit dem Nationalsozialismus, um personelle und theoretische Kontinuitäten, um die Namengeberschaft für Wissenschaftspreise, um Theodor Eschenburg, Heinrich Roth und Alfred Weber.

In dieser Veranstaltungsreihe soll sich mit der Rolle einzelner sozialwissenschaftlicher Disziplinen im Nationalsozialismus, sowie der Geschichte ihrer (Nicht-) Aufarbeitung auseinandergesetzt werden.
Fragen wie:
- Welche Rolle spielt der Nationalsozialismus in den heutigen Sozialwissenschaften?
- Wo gibt es Kontinuitäten und warum und (wie) werden sie zur Diskussion gestellt?
- Wie ist verantwortungsvoll mit der Geschichte der eigenen Disziplin umzugehen?
- Und nicht zuletzt: Was kann eine sozialwissenschaftliche Analyse des Nationalsozialismus zur Erforschung der Mechanismen, die den Holocaust möglich gemacht haben, beitragen?
sollen thematisiert werden.

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Das restliche Programm:

Prof. Dr. Rainer Eisfeld: Montag 08.12.2014 18 Uhr ZHG 002

„Politikwissenschaft und Nationalsozialismus: Ergebnisse, Maßstäbe, Probleme der Disziplingeschichte, besonders am aktuellen Beispiel der Eschenburg-Debatte“

Der „Gründungsmythos“ (Hubertus Buchstein) der westdeutschen Politologie lautete: Die Deutsche Hochschule für Politik in Berlin, Vorläuferin des heutigen Otto Suhr-Instituts der Freien Universität, war und blieb seit ihrer Errichtung 1920 ein republikanisch-demokratisches Unternehmen. Sie verweigerte sich dem NS-Regime, löste sich 1933 auf, zahlreiche Fachvertreter gingen ins Exil. Als sie nach 1949 zurückkehrten, begründeten sie mit anderen unbelasteten Wissenschaftlern, unterstützt von westlichen Alliierten und deutschen Politikern, jene Disziplin, die als einzige von Anfang auf die wissenschaftliche Fundierung eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland zielte. Aus mehreren Gründen war dies ein attraktives Konzept. Dass in der Disziplin nach 1945, anders als im Hochschulbereich insgesamt, der personelle Bruch gegenüber der Kontinuität überwog, bleibt richtig. Dass es zu einer adäquaten Einschätzung dennoch differenzierterer Sichtweisen als bisher bedarf, die im Fach teilweise auf Widerstand stoßen, belegen die Fälle Arnold Bergstraesser, Michael Freund und aktuell besonders Theodor Eschenburg.

Dr. Michaela Christ: Freitag 16.01.2015 18 Uhr ZHG 002

„Soziologie und Nationalsozialismus – Ein schwieriges Verhältnis“

Die Auseinandersetzung von deutschsprachigen Soziologinnen und Soziologen mit dem ‚Dritten Reich‘ begann schon Mitte der 1930er Jahre, sie dauert bis heute an. Gleichwohl und trotz der Bedeutung, die der Nationalsozialismus für alle gesellschaftlichen Bereiche der Bundesrepublik hatte (und zum Teil noch immer hat), ist der NS in der ‚Wissenschaft von der Gesellschaft‘ ein randständiges Thema geblieben.
Was sind die Ursachen für dieses Nischendasein? Welche Rolle spielen inhaltliche und personelle Kontinuitäten? Inwiefern lenk(t)en bestimmte Paradigmen, Methoden und Forschungsprogramme den Blick weg von Gewalt, Massenverbrechen und autoritärem Regime? Und schließlich: Was wäre gewonnen, wenn sich die Soziologie intensiver mit Holocaust und NS beschäftigte?

Prof. Dr. Alfons Söllner: Montag 26.01.2015 18 Uhr ZHG 003

„Die Faschismusanalysen der frühen Frankfurter Schule in Verhältnis zur sog. Totalitarismustheorie“

Die frühe Frankfurter Schule hat auf der Basis einer revidierten marxistischen Gesellschaftslehre drei markante Ansätze der Faschismusanalyse entwickelt: die Ideologiekritik des bürgerlichen Menschen; die Zerstörung der Rechtsrationalität im Nationalsozialismus; und die Sozialpsychologie des autoritären Charakters. Die dazugehörigen Theorien erhalten schärfere Konturen, wenn man sie vergleicht mit der sog. Totalitarismustheorie, die sich auf die Herrschaftsmethoden der modernen Diktaturen konzentriert hat.

„…daß die offizielle Soziologie versagt hat“ Veranstaltung mit Alexandra Schauer am Di., 24.06.2014

Vom 19. bis 21. September 1946 fand in Frankfurt am Main der erste Nachkriegskongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie mit dem vielversprechenden Thema »Die gegenwärtige Situation soziologisch betrachtet« statt. Statt sich jedoch einer soziologischen Analyse der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen 1933 und 1945 zu widmen, wurde der Nationalsozialismus zu einem »metaphysischen Geheimnis« verklärt, »an das der Soziologe nicht zu rühren vermag« (Leopold von Wiese). Geschwiegen wurde über den Nationalsozialismus nicht nur wissenschaftlich, sondern auch wissenschaftsgeschichtlich. Das Versagen der offiziellen Soziologie angesichts der Krise der Weimarer Republik und des Aufstiegs des Nationalsozialismus wie auch die Rolle der in Deutschland verbliebenen Fachvertreter wurde nicht thematisiert. Stattdessen wurde der erste Nachkriegskongress zur Geburtsstunde des Mythos der Nichtexistenz der Soziologie im Nationalsozialismus, der die disziplinäre Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit über viele Jahrzehnte hinweg bestimmen sollte. Am ersten Nachkriegskongress lässt sich exemplarisch das Scheitern der Soziologie angesichts des Nationalsozialismus aufzeigen: So wenig sie vor 1933 dem Aufstieg des Nationalsozialismus Beachtung geschenkt hatte, so wenig war sie nach 1945 um eine wissenschaftliche oder wissenschaftsgeschichtliche Auseinandersetzung bemüht.
In dem Vortrag soll der Geschichte dieses Scheiterns nachgegangen werden, wobei der Fokus dabei auf der institutionalisierten Soziologie vor, während und nach dem Nationalsozialismus liegen wird.

24.06.2014 18 Uhr
ZHG 102

Eine Veranstaltung der Basisgruppe Sozialwissenschaften in Kooperation
mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V.

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